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Das Liebestrauma, oder: Symbiotische Verstrickungen

Warum dieses Thema?
Nun, meiner Beobachtung gemäß, beruhen die meisten Probleme in Beziehungen aller Art (privat, am Arbeitsplatz, politisch etc.) auf symbiotischen Verstrickungen.
Was meine ich damit?
Ganz einfach: Menschen sagen „ja“ obwohl sie „nein“ meinen, Frauen leben mit Männern zusammen, für die sie keine Liebe mehr empfinden, ja, die sie sogar unter Druck setzen, missbrauchen und/oder demütigen. Oder: Männer halten an Beziehungen fest, in denen keine lust- und freudvolle Sexualität mehr möglich ist, um weiterhin mütterlich umsorgt zu sein bzw. das Gefühl der Geborgenheit nicht zu verlieren. Eltern stellen fest, dass ihre Kinder nicht bereit sind, das Haus bzw. die elterliche Fürsorge zu verlassen, obwohl sie bereits erwachsen sind bzw. Eltern drängen ihre Kinder dazu, sie zu versorgen und können sie, wenn sie erwachsen sind, nicht gehen lassen. Arbeitnehmer bleiben bei Arbeitsplätzen, an denen sie sich nicht mehr wohl bzw. überfordert fühlen oder sogar gemobbed werden. Menschen wählen Politiker, die sie ausbeuten und ihnen wie ihrem Land schaden etc.
In anderen Worten: Menschen geben ihre Autonomie und Würde teilweise oder ganz auf bzw. gehen immer wieder über ihre Grenzen, nur um sich sicher, geborgen oder geliebt zu fühlen bzw. Altvertrautes und Gewohntes nicht aufgeben zu müssen und das, obwohl sie bewusst oder unbewusst sehr darunter leiden.
Warum tun sie das?
Nun, symbiotische Verstrickungen entstehen, wenn die natürlichen symbiotischen Bedürfnisse (nach Willkommensein, Liebe, Geborgenheit, emotionalem, mentalem wie spirituellen Kontakt, Ansprache, Körper- wie emotionaler Nähe, Wärme, freudigem Geben und Nehmen, emotionaler und physischer Versorgung, verbindlicher, empathischer Zuwendung, Geliebtsein etc.) eines Kindes nicht nur nicht erfüllt sondern sogar missbraucht werden, z. B. wenn Kinder ohne Liebe gezeugt, eine Frau schwanger wird, obwohl sie das Kind nicht von Herzen möchte, es also aus anderen Gründen austrägt oder sich sogar mit dem Gedanken trägt, es abzutreiben. Wenn die Mutter und dadurch gewöhnlich auch das Kind während der Schwangerschaft, Geburt oder danach traumatisiert werden oder die Mutter schon lange vorher traumatisiert wurde und das Kind ihre Traumagefühle “aufsaugt” – mangels einer Alternative. Oder wenn die Mutter – aus ihren eigenen Traumata heraus – nicht in der Lage ist, das Kind zu lieben, gefühlskalt oder ablehnend reagiert, ja, es sogar missbraucht oder anderen Menschen zum Missbrauch ausliefert.
Kurz: Es erleidet ein Liebestrauma. Um zu überleben und notdürftig versorgt zu werden, trennt sich das Kind von sich, seinen natürlichen Gefühlen und Bedürfnissen ab, verlernt, sich selbst wahr zu nehmen, zu fühlen und zu respektieren und gemäß seiner Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle zu handeln. Es beginnt zu funktionieren. Dadurch bleibt es von sich abgeschnitten und hungrig, fühlt sich gewöhnlich leer, zutiefst unbefriedigt und voller Sehnsucht nach einer Mutter, die es nie hatte.
Und um all das, ebenso wie den tiefen Schmerz unerfüllten Lebens nicht zu spüren, sucht es das, was es damals vermisste, später vergeblich in Außen: in Partner- und Freundschaften, am Arbeitsplatz, im Dienst an einem größeren Ganzen (Religion, Familie, Verein, Gemeinschaft, Staat etc.), in Erfolg, Geld oder Macht.
In anderen Worten: Es hat verlernt, es selbst zu sein, sich wahr- und für voll zu nehmen, eigenständig zu denken und zu fühlen, alleine zu sein und zu stehen, ja, es hat oft große Angst davor, eine eigene Meinung zu vertreten, eigene Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen zu haben, kurz: sich autonom zu entwickeln und bleibt so – mehr oder weniger und oft lebenslang – in einer Art kindlicher Abhängigkeit und damit auf der Suche nach Anerkennung, Bestätigung, Liebe und Versorgtsein von Außen.
Und woran merkt man, dass man zu symbiotischen Verstrickungen neigt?
Nun, autonome Menschen sind in der Lage,
* alleine zu sein und tun das gewöhnlich auch sehr gerne
* sich selbst zu versorgen
* die eigenen Bedürfnisse weitestgehend selbst zu befriedigen,
* sich dabei, wenn vonnöten, Hilfe zu holen, ohne sich unnötig abhängig zu machen
* „Nein“, „Ja“ oder „Ich weiß nicht“ zu sagen, wenn es ansteht, und
* Entscheidungen zu treffen, die nicht konform mit den Erwartungen anderer sind
* sich nicht durch die Gefühle und Meinungen anderer zu etwas drängen zu lassen, was nicht mit ihren Werten, Wünschen und Wohlbefinden konform geht
* sich nicht finanziell oder mit anderen Mitteln bestechen zu lassen
* sich dem Leben wie anderen Menschen anzuvertrauen und dabei dennoch wachsam und unabhängig zu bleiben,
* sich verletzlich, schwach, ängstlich ebenso wie wütend oder traurig zu zeigen, d.h. zu sich, den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu stehen
* einen Konflikt einzugehen bzw. konstruktiv bis zu Ende auszutragen sowie unnötige Konflikte zu vermeiden
* sich auf eine Beziehung wirklich einzulassen ohne sich darin zu verlieren
* ebenso wie eine solche zu beenden, insofern sie ihre Bedürfnisse nach (körperlicher wie emotionaler menschlicher) Nähe, Geborgenheit, Verbindlichkeit, Authentizität, Wachstum, Lebendigkeit, Glücklichsein und Freiheit nicht mehr befriedigen kann.
* Verantwortung für das eigene Leben, die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Entscheidungen zu übernehmen und sie nicht anderen, mittels von Schuldzuweisungen, Forderungen, Erpressungen, Drohungen etc. zuzuschieben
* selbst unter stark einschränkenden Umständen oder in autoritären Gesellschaftsformen innerlich frei zu bleiben bzw. sie, soweit und sobald möglich, hinter sich zu lassen.
Menschen, die symbiotisch verstrickt sind, können all dies nur teilweise oder gar nicht (mehr). Sie neigen vielmehr dazu, eine destruktive Symbiose einzugehen.
Aber was ist das, eine destruktive Symbiose? Mehr dazu morgen.

Verschmelzen oder Begegnung

… ist eine Frage, die sich Stephen Wolinsky stellte. Denn der Versuch, den Trennungsschock aufzuheben, führt dazu, dass die meisten Menschen kontinuierlich auf der Suche nach einer Ersatzmutter sind, bei der sie neu andocken können.
Was meine ich damit? Nun, sie sind auf der Suche nach Wiederverschmelzung, nach dem Geborgen-, Geliebt- und Versorgtsein, das in der Kindheit so abrupt und schmerzhaft unterbrochen wurde bevor sich das Kind von selbst lösen konnte. Dadurch sind sie nicht in der Lage, einem Menschen wirklich zu begegnen, da sie nicht das reale Gegenüber, den Menschen sehen, sondern Das, was sie sich wünschen: Jemanden, mit dem sie verschmelzen können, der sie versorgt, liebt, hätschelt und ihre Bedürfnisse errät – eine Art Mutterersatz eben.
Kannst du nachvollziehen, was das heißt, wie verloren sich viele Menschen fühlen, wie instabil ihr Verhältnis zu sich selbst ist und wie abhängig sie sich von den von ihnen ausgewählten Bezugspersonen fühlen? Praktisch heißt das: Wenn eine Frau auf einen Mann trifft, scannen die verlorenen inneren Kinder unbewusst die Möglichkeit ab, ob der/die ‚Andere „andockt“, d. h. Die Verschmelzungsphantasien nährt und zulässt bzw. ob ihre Inneren-Kind-Trancen und -Phantasien zueinanderpassen.
Aus diesem Grund konnte und wollte ich – nachdem ich mir meiner Inneren-Kind-Trancen mehr und mehr bewusst wurde ebenso wie Dessen, was ich wirklich bin – einem normalen Mann nicht mehr näherkommen. Mit „normal“ meine ich, er ist energetisch noch ein Kind auf der Suche nach einer Mama, ist sich dessen aber nicht bewusst und spielt dadurch all die aufreibenden, manipulativen Spielchen, die unglaublich viel Nerven kosten.
Man könnte auch sagen: Wenn das kleine Ich „aufgeräumt“ ist, ist es satt, geborgen, geliebt und gehalten. Nur ein ungehaltenes inneres Kind sucht im Außen, saugt, zieht, zerrt, spielt romantisch, gefällig, machtvoll, besonders hilfreich, klug oder Jemanden, der über den Dingen steht, um etwas zu bekommen oder nicht zu verlieren. Und sollte es sich doch mal wieder “losreißen”, wird es schnell wieder gehalten, gefragt, was es braucht, genährt und muss dadurch nicht nach Außen projiziert werden.
Und insofern kann auch kein hungriges Kind von Außen andocken, um die üblichen Beziehungsspielchen zu spielen. Denn das ist das, worauf normale „Beziehungen“ beruhen: Auf inneren Kindern, die ziehen, zerren, haben wollen, manipulieren oder verführen etc., um zu bekommen. Und wenn das nicht klappt, gibt es Krieg.
Dabei findet natürlich keine wirkliche Begegnung statt. Denn erst, wenn ein bewusster Mensch (d. h. ein Mensch, der seine inneren Kinder und ihre manipulativen „Überlebensstrategien“ weitestgehend kennt und immer wieder bereit ist, Verantwortung für sie zu übernehmen, ihre Gefühle und Schmerzen zu fühlen, sie liebevoll und klar zu halten, zu nähren und ihnen klare Grenzen zu setzen, d. h. der diese Verantwortung nicht oder kaum noch Anderen zuschiebt) auf einen anderen bewussten Menschen trifft, ist das wirklich Begegnung.
Was daran so besonders ist?
Da begegnen sich zwei oder mehr Menschen, die sich selbst wirklich wahr- und für voll nehmen, wertschätzen, fühlen, kennen, lieben und nicht vor allem brauchen, um sich und ihren Selbstwert zu bestätigen – zwei eigenständige, erwachsene, in der Stille ruhende Wesen, die sich ihr inneres Kind und damit ihre Offenheit, Unschuld und ihr verspieltes Wesen bewahrt haben. Wenn in ihnen Bedürftigkeit, Hunger, Angst etc. aufsteigt, kann, wenn nötig, offen davon gesprochen werden, d. h. sie sind in der Lage, sich verletzlich zu zeigen, spielerisch und doch klar und respektvoll mit ihren Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen umzugehen. Letzeres heißt auch, sich, wenn nötig, angemessen zu schützen,“nein” zu sagen und sich für die eigenen Bedürfnisse einzusetzen.
Das ist dann sehr lebendig, wertschätzend, authentisch, wach, ehrlich, verletzlich, klar, direkt, zutiefst menschlich und erstaunlich unspektakulär – einfach schön eben – denn man nimmt sich wirklich wahr – so wie man ist, nicht so wie man sich haben will. Und dadurch gibt es kaum Drama, Krieg, Ausweichmanöver oder Machtspiele und, wenn doch, ist das ein guter Anlass, sich all das anzusehen, sich und seine alten Kindheitsmuster noch besser kennenzulernen und erneut aufzuräumen – bis zum nächsten Mal.
So bleibt nichts übrig, nichts als Schönheit und tiefe Vertrautheit.
Tatsächlich ist nach dem Erwachen und der Verkörperung des Erwachens Begegnung mit allem so: Ob ich also einem Erwachsenen begegne, einem Kind, einem Baum oder dem Wind – es ist DASselbe und damit zutiefst vertraut und doch jedes Mal vollkommen neu und somit immer wieder eine Möglichkeit, sich selbst, die eigenen Reaktionen, Muster und Themen, noch besser kennenzulernen und damit noch tiefer in Liebe zu fallen. Aber vor allem bin ich satt – von der Begegnung mit mir selbst, d. h. DEM, was ich wirklich bin und was darin erscheint, – und zugleich offen und empfänglich, meiner Bedürfnisse und Grenzen sehr bewusst.
Dadurch wird gewöhnlich alles sehr offen und transparent ausgedrückt. Es gibt also kein langes Geziehe und Gezerre, sondern echte, lebendige Begegnung und Austausch – auch über die verletzten, hungrigen und Überlebensanteile der Beteiligten – auf Augenhöhe.
Und solltest du jetzt denken “Da stehe ich aber gerade nicht, verflixt!”, begegnest du dir in diesem Moment total ehrlich, authentisch und liebevoll. Ist das nicht schön?

(Selbst)Liebe

Im Moment seiner Geburt – und schon vorher – ist ein Säugling offen und voller Erwartung dessen, was ihm absolut natürlich erscheint: nämlich, dass er willkommen ist, geliebt, umsorgt und geherzt wird. Ohne diese natürliche, innere Haltung ist ein Mensch, wie alt er auch sein mag, verkrüppelt durch einen Mangel an Vertrauen, Selbstwertgefühl, Spontanität, Autonomie und Würde.
Alle Menschen sind von Natur aus bedingungslose Liebe, aber solange sie noch klein sind, brauchen sie es, dass ihnen das auch immer und immer wieder gespiegelt wird – durch die Behandlung, die sie erfahren. Ein Kind, das durch sein unmittelbares Umfeld diese Spiegelung nicht erfährt (z. B. deshalb, weil auch die Mutter bzw. der Vater vor, während oder nach ihrer eigenen Geburt traumatisiert wurde und sich deshalb getrennt von sich selbst wahrnimmt, im wahrsten Sinne des Wortes “ver-rückt” ist, ihrer selbst und der Wirklichkeit ent-rückt), übernimmt die Traumagefühle seiner Mutter oder passt sich an, um zu überleben, verliert dafür aber sein natürliches, gesundes Wohlbefinden und jegliches Maß dafür, wie viel an Wohlgefühl, Sicherheit, Hilfe, Gesellschaft, Liebe, Freundschaft, Dinge, Lust oder Freude es für sich beanspruchen darf und kann.
Anders ausgedrückt: Ein Säugling, der vor, während oder unmittelbar nach der Geburt schockartig oder nach und nach traumatisiert wird, erfährt sich als falsch, unwert, ohne Daseinsberechtigung und ist deshalb sein ganzes Leben immer wieder darum bemüht, sich eine Art künstlichen Selbstwert und Ersatzwohlgefühl zu schaffen (durch Beziehungen, Konsum, Liebes-, Alkohol-, Drogen-, Sex-Sucht, Gewalt, Macht etc.).
Er kann sich nicht vollständig fühlen und ist deshalb auf der ruhelosen „Suche nach dem scheinbar verlorenen Glück“ (frei nach Jean Liedloff).
Und so suchen die meisten Menschen ihre Erfüllung in der Nähe und Intimität zu einem anderen Menschen, in Mutter- oder Vaterschaft oder indem sie eine Familie gründen. Leider übersehen sie dabei, dass dies einen hohen Preis kostet. Denn echte, authentische Nähe erfordert die bedingungslose Nähe zu dir selbst, zu allem, was dich zutiefst schmerzt, was in dir wütend, voller Hass oder Angst ist. Sonst wird jede Beziehung in einer tiefen Ent-Täuschung enden – immer und immer wieder -, abgesehen davon, dass du deine Traumata an Kinder, Partner oder Freunde weitergibst – bis die Urschmerzen zutiefst gefühlt, die traumatischen Erfahrungen körperlich empfunden, das damals Geschehene mit deinem ganzen Wesen durchschaut, aufgearbeitet und integriert wurde – bis zu Ende (siehe hierzu auch “Endlich frei! – Traumata als Tor zur Freiheit”).
In anderen Worten: Nur ein Mensch, der sich allem, was er fürchtet und was ihm weh tut, stellt, fühlt und nachholt, was er in der Vergangenheit nicht leben konnte – idealerweise in einem kompetenten therapeutischen Setting, streckenweise auch alleine oder mithilfe einer/m PartnerIn, der die ebenfalls ihre Themen aufarbeitet – , kann sein wahres Ich finden und endlich erwachsen werden.
Denn erst mit dem daraus resultierenden klaren Sehen, dass die ursprüngliche Bedrohung vorüber, ja, das Leben nicht feindselig ist, und dass Das, was er ganz natürlich ist, nicht vor allem von äußeren Dingen, d. h. nicht von einer Beziehung, Zuwendung, einer bestimmten Art von Tätigkeit, Fähigkeit, Leistung, Besitz, Macht oder Status abhängig ist, dass er nicht mehr dieses Baby und die damit zusammenhängenden Traumata, Gefühle und Gedanken ist, ist er in der Lage, sich selbst Das zu spiegeln, was er ganz natürlich ist, in zutiefst erfüllendem Kontakt mit sich selbst zu sein, sich bedingungslos zu bejahen, zu unterstützen, zu fühlen und zu halten sowie sein ihm eigenes Potenzial voll zu leben, kurz: die verpasste Kindheit nachzuholen, wirklich glücklich zu sein und bedingungslos oder gegen offen ausgesprochene Bedingungen zu geben.
Dies befähigt ihn, mit sich alleine glücklich zu sein, sich selbst und andere so zu lieben wie er/sie ist/sind, sich auf sich selbst und damit andere Menschen ein- bzw. echte Intimität zuzulassen, sich verletzlich zu zeigen, Grenzen zu setzen, auf eigenen Beinen zu stehen und sich liebevoll um sich wie auch um seine Lieben zu kümmern bzw. vertrauensvoll loszulassen, wenn es ansteht.
Dann ist er ein Segen für sich und seine Umwelt.
Bist du neugierig geworden?